Neue Ziele für das Land:
Die glückliche Gesellschaft

Die glückliche Gesellschaft

Lord Richard Layard ist Direktor des Center for Economic Performance an der London School of Economis. Seine Studien zur Arbeitslosigkeit waren die Grundlage einer Politik, die zu einer deutlichen Verringerung der Arbeitslosenzahlen in England führten. In jüngster Zeit legt Layard seinen Forschungsschwerpunkt auf den Zusammenhang zwischen Wohlstand und persönlicher Zufriedenheit.

Layard hat seine Erkenntnis in dem Buch "DIE GLÜCKLICHE GESELLSCHAFT" (Campus-Verlag, ISBN 3-593-37663-6) zusammengefaßt. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.campus.de/goto/layard.

Radikaler Kurswechsel gefordert

Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Layard fordert einen radikalen Kurswechsel. Er sagt: Wirtschaft und Politik dienem einem falschen Götzen, wenn sie sich ausschließlich am Wirtschaftswachstum orientieren. Ziel allen politischen Handelns muss es sein, die Menschen in der Gesellschaft glücklich zu machen.

Wohlstand vervielfacht, Wachstumsprobleme beim Glück

Diverse Untersuchungen belegen, dass in den USA und in Mitteleuropa - also auch Deutschland - sich der Wohlstand nach dem 2. Weltkrieg vervielfacht hat. Der Anteil, der Menschen, die sich als glücklich bezeichnen, stagniert dagegen seit dieser Zeit. Mit anderen Worten: Das vermehrte Einkommen, die größeren Wohnungen und Autos, mehr Urlaub, mehr Reisen etc. haben die Menschen nicht glücklicher gemacht. Im Gegenteil: Depression entwickelt sich zu einer neuen Volksseuche. Die dadurch verursachten Behinderungen sind größer als die von Krebs, Herz-Gefäß- und Atemwegserkrankungen zusammen genommen.

Der Prozentsatz der Menschen, die sich als glücklich und zufrieden bezeichnen, liegt in Deutschland nach einer Untersuchung von 1999 knapp über 80%. Das ist geringer als in Nigeria, Indonesion, Kolumbien, Chile und Mexio. Obwohl die Menschen dort nur einen Bruchteil unseres Einkommens haben. Oft nicht mal ein Zehntel.

Falsche Ziele

Die ausschließliche Oritierung am Bruttosozialprodukt führt in die falsche Richtung. Layard belegt eindrucksvoll, dass die heute so hoch gehandelten Ziele wie Mobilität, Flexibilität etc. gleichzeitig mehr Stress und mehr Instabilität bedeuten. Wachsende Scheidungsraten, steigende Kriminalität und eine stetig zunehmende Anzahl von Menschen, die ihr eigenes Lebens nicht mehr geregelt bekommen, sind nur die Spitze des Eisberges.

Glück ist lernbar

Richard Layard zeigt zwei Wege aus der Krise: Zum einen belegt er durch die Ergebnisse der Glücksforschung, dass jeder Einzelne eine Menge für sich tun kann, um glücklicher zu werden. Auf der anderen Seite ist es notwendig, dass sich die öffentlichen Ziele, die von Politik und auch die von Arbeitgebern ändern. Die neue Richtung: nicht mehr Wohlstand, sondern mehr Glück für den Einzelnen.

Siehe auch Interview mit Richard Layard im Stern

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